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Unter Möbelleder versteht man in den meisten Fällen Rindsleder, also die bearbeitete bzw. gegerbte Haut von Rindern. Neben Rindsleder wird deutlich seltener auch Schafsleder verwendet. Andere Ledersorten sind im Möbelbereich exotisch. Natürlich wird abseits der natürlichen Lederarten auch Kunstleder sehr häufig eingesetzt, wobei dieses im eigentlichen Sinne nicht um Leder per Definition handelt. Leder wird vor allem auf Grund seiner charakteristischen Haptik, seines natürlichen Ursprungs, seiner Pflegeleichtigkeit und seiner edlen Wirkung verwendet.

Leder Sofa


Natürliches Leder und Kunstleder

Unter dem Begriff Leder fassen sich sämtliche natürliche Ledersorten zusammen. Fischleder, Rindsleder, Pferdeleder und sämtliche andere Ledersorten, die von Tieren stammen, dürfen als Leder bezeichnet werden – das gilt auch im Handel. Spaltleder und Vollleder zählen ebenfalls dazu – die Begriffe beschreiben den verwendeten Teil der Rohhaut. Kunstleder hingegen ist kein Leder, sondern ein Lederimitat, welches folglich die Optik und Haptik von Leder nachbildet. Man unterscheidet hierbei in verschiedene Kunststoffe und Herstellungsarten.

Spaltleder

Moebelleder

Durch das sogenannte Spalten gewinnt man in der Lederherstellung Spaltleder. Dadurch erhält man die auf die Fläche bezogene doppelte Ausbeute einer Rohhaut, da diese der Fläche bzw. Länge nach gespalten wird. Dabei wird zwischen Fleischspalt und Nabenspalt unterschieden: Unter einem Nabenspaltleder versteht sich ein Leder mit Papillar- und Retikularschicht. Dieses Leder hat von Natur aus eine glatte Oberfläche. Beim Fleischspalt ist nur die Retikularschicht vorhanden. Die glatte Oberfläche des Leders wird hier falls gewünscht mit Hilfe von Polymerfolien erreicht.

Vollleder

Bei Möbeln ist oft auch von einer sogenannten Volllederausstattung die Rede. Selbiges kennt man auch von Autos. Beim Vollleder handelt es sich um die oberen Teile einer Haut, also die Haarseite. Das Vollleder wurde durch Spalten auf die erforderliche Dicke gebracht – von der Fleischseite her.

PU-Leder

Im Möbelbau oder in der Modeindustrie wird vielfach auch Kunstleder eingesetzt. Kunstleder besteht in der Regel zum Großteil aus Polyurethan. Es gibt aber auch Kunstledernachbildungen aus anderen Kunststoffen. Wie eingangs bereits erklärt, fällt Kunstleder per se nicht unter die Definition „Leder“ und darf deshalb auch nicht als solches verkauft werden. Händler und Hersteller sind kreativ und lassen sie viele Ersatzbegriffe einfallen, darunter Vinyl, Polyamid, Textilleder oder Ledertex. Auch die irreführende Bezeichnung Napalonleder beschreibt ein Kunstleder bzw. ein Lederimitat.

Glattleder mit Farbschicht, offenporige Leder oder Rauleder

Leder werden im Möbelbau in der Regel in den genannten drei Arten verwendet: Glattleder, offenporige Leder wie Anilinleder oder Rauleder. Erstere sind leichter zu pflegen, letztere wiederum sind am empfindlichsten. Eine kurze Übersicht:

  • Glattleder: Dieses Leder ist pflegeleicht, da es über geschlossene Poren verfügt und, dem Namen nach, eine glatte Oberfläche bietet. Flüssigkeit dringt kaum ein. Bezeichnungen für Glaattleder sind beispielsweise Nappaleder oder Long Life Leder.
  • Offenporiges Leder: Offenporiges Leder wiederum ist etwas schwerer zu pflegen bzw. etwas empfindlicher. Anilinleder ist beispielsweise offenporiges Leder. Sie müssen von Zeit zu Zeit imprägniert werden. Die Leder sind außerdem UV-empfindlich und sehr empfindlich gegenüber Fett bzw. Fettflecken – sei es nun durch Chips und Pommes oder durch Kontakt mit dem menschlichen Körper.
  • Rauleder: Am empfindlichsten sind Rauleder. Nubuk, Velourleder oder Büffelleder sind offenporig und angeschliffen. Schnell bilden sich Flecken und Ausbleichungen. Solche Leder sind nicht nur schwer zu pflegen, sondern auch extrem schwer zu reinigen bzw. zu warten.
  • Bycast-Leder: Ein Begriff, der im Möbelbau bei Leder ebenfalls häufig vorkommt, ist Bycast-Leder oder auch PU-Leder. Sattelleder, Pull-Up-Leder oder beschichtetes Leder sind weitere Bezeichnungen. Es handelt sich hierbei um PU-beschichtete Leder, in der Regel Spaltleder. Durch die Kunststoffbeschichtung sehen sie zwar aus wie Glattleder, sind aber kaum atmungsaktiv und verschleißen schneller.

Warum Leder im Möbelbau verwendet wird

Im Möbelbau bedarf es beispielsweise bei Liegelandschaften wie Sofagarnituren, aber auch bei Stühlen, Sesseln oder gar bei Regalen und Schränken, einer Polsterung. Diese wiederum muss mit einem Bezug versehen werden, der einerseits die Polsterung schützt, andererseits aber auch für die Optik und Haptik verantwortlich ist. Zudem steht er in direktem Kontakt zum Liegenden oder Sitzenden bzw. zur Umwelt. Er ist daher einer besonders hohen insbesondere mechanischen Belastung aber auch Witterungseinflüssen wie UV-Licht oder Feuchtigkeit ausgesetzt.

leder moebel

Es bedarf folglich eines Materials, welches mechanisch hoch belastbar ist, andererseits aber auch Witterungseinflüssen standhält und zudem noch gut aussieht bzw. sich gut anfühlt. Textilien aus Garn bzw. Stoffe wie Baumwolle, Jersey oder Polyestergewebe werden zwar häufig genutzt, doch ist die Belastbarkeit eher gering.

Zwar gibt es Kunstfasern wie Aramid, Kevlar oder metallische Gewebe, die hoch belastbar sind – doch die sehen dann nicht mehr gut aus, geschweige denn fühlen sich gut an. Nach wie vor, und Lederbezüge haben Jahrtausende alte Tradition, ist Leder einer der am besten für diesen Einsatz geeigneten Stoffe: Es hält bei guter Pflege sehr lange, auch unter großer mechanischer Belastung.

Unterschiedliche Qualitäten von Leder

rindslederViele Kunden achten beim Möbelleder darauf, dass es besonders dick ist. Schweres und dickes Leder hält schließlich länger, das ist der Gedanke. Tatsächlich ist ein dickes Leder zwar reißfester – doch bei unzureichender Pflege wird man auch hier früher oder später Risse feststellen können.

Weit vorher kommt es zu optischen Mängeln, bei denen es letztlich egal ist, ob sie auf dickem oder dünnem Leder vorhanden sind. Deshalb ist die Lederpflege das A und O.


Möbelleder pflegen

Es ist wie beim Kauf eines Autos: Die meisten halten es sauber, aber wirklich pflegen? Wer sich einmal anschaut, wie viele Menschen bei ihrem Auto im Durchschnitt Öl nachfüllen, wird erstaunt sein. Ähnliches galt bis vor wenigen Jahren auch bei Autobatterien, jedoch mit destilliertem Wasser statt Öl. Hersteller verkaufen immer öfter als „wartungsfrei“ deklarierte Batterien, die man mit der richtigen Pflege aber dennoch länger einsetzen könnte.


Quellen und Literaturverzeichnis